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"Les Grandes Amitiés"

 
 

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Les Grandes Amitiés

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Auszüge aus der deutschen Übersetzung

Nachfolgend finden Sie Auszüge aus der deutschen Übersetzung des französischen Katalogs "Les Grandes Amitiés": Für die Bestellung des ganzen Dokuments folgen Sie bitte diesem Verweis.

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Jacques Maritain und seine geistigen Väter

Vergeblich suchten Jacques und Raïssa an der Sorbonne nach der ewigen Wahrheit. Statt absolutem Sinn bot sich ihnen nur Materialismus. Frustriert dachten sie sogar an Selbstmord. Ihre Sehnsucht wurde 1901 vorläufig durch die Vorlesungen von Henri Bergson gestillt. Maritain erinnert sich:

"Es war Bergson, der seinen vom Agnostizismus und Materialismus gepeinigten Zuhörern den Wert und die Würde der Metaphysik offenbarte. Er war es, der mit einem unvergesslichen Tonfall sagte: 'Im Absoluten sind wir, bewegen wir uns und leben wir.' Das reichte aus, um in ihnen die metaphysische Sehnsucht, den metaphysischen Eros zu wecken."

Allerdings fügt Maritain hinzu:

"Bergson hat uns diese Metaphysik nicht gegeben, er hatte nie die Absicht, das zu tun. Und für viele von uns war das eine herbe Enttäuschung, es erschien uns wie ein Versprechen, auf das wir uns verlassen hatten, das aber nicht eingelöst wurde."

So wandte sich Maritain von seinem geistigen Lehrer ab, als er die Werke des heiligen Thomas von Aquin entdeckte. Bergson trug dies mit Fassung und verheimlichte seine Anerkennung nicht, die er für seinen Meisterschüler empfand. Auf die Frage eines Journalisten, was er von J. Maritain halte, antwortete er:

"Ein Fall von unangenehmer Undankbarkeit, aber ich habe nichts gegen ihn, gerade wegen unserer ehemaligen hervorragenden Beziehung. Darüber hinaus schreibt er gut, was sehr selten ist. Dass er einige Seiten gegen mich geschrieben hat, hindert mich nicht daran, sie zu genießen."

Und mit einem ironischen Lächeln fügte er hinzu:

"Ich hatte unter meinen intelligenten Gegnern weit weniger zu leiden als unter meinen extravaganten Schülern. Zudem würde ich Herrn Maritain nicht als einen Gegner, sondern eher als einen unabhängigen Kritiker bezeichnen. Dieser junge Philosoph hat einen scharfen Verstand, sehr standhaft und durchdringend, und was noch seltener ist bei einem Philosophen, er ist ein Meister im Schreiben."

Durch die Schriften von Léon Bloy fanden Jacques, Raïssa und Véra zum katholischen Glauben. Das erste Treffen mit Bloy blieb Jacques und Raïssa unvergeßlich. Sie schreiben:

"Am 25. Juni 1905 stiegen zwei zwanzigjährige Kinder die ewige Treppe hinauf, die zu Sacré-Cœur führt. Ihnen haftete jene Verzweiflung an, die das einzige ernsthafte Produkt der modernen Kultur ist. Sie gingen zu einem merkwürdigen Bettler, der alle Philosophien verachtete und von den Dächern die göttliche Wahrheit verkündete. Als strenggläubiger Katholik verdammte er seine Zeit sowie all jene, die ihren Trost hier unten finden. Sie hatten schreckliche Angst vor dem, was ihnen begegnen würde. Kaum hatten sie die Schwelle seines Hauses überschritten, wurden alle ihre bisherigen Werte wie durch einen unsichtbaren Schalter auf den Kopf gestellt. Man wusste oder erriet, dass es nur eine Traurigkeit gab, nämlich die, kein Heiliger zu sein."

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Maritains Freundschaften mit Künstlern

Durch Léon Bloy lernen die Maritains Georges Rouault kennen. Als er sich ganz in der Nähe der Maritains niederlässt, werden die Freundschaft wie auch der geistige Austausch noch intensiver. Raïssa schreibt dazu:

"Mit Rouault begegnete uns zum ersten Mal ein echter und großer Künstler. Durch ihn haben wir in concreto das Wesen der Kunst und den manchmal sogar tragischen Konflikt mit reellen Pflichten erlebt, der sich im Geist eines Künstlers abspielen kann. War Rouault anfangs unsicher wegen unserer Reaktionen, so schenkte er uns doch bald sein Vertrauen, vor allem als er die tiefe Ehrlichkeit unserer Begeisterung und Gefühle spürte. So konnten wir viele seiner Zeichnungen und Malereien bewundern, noch bevor sie auf den Veranstaltungenen zu sehen waren."

Jacques hingegen bewundert an diesem Künstler etwas, das Jahre später in sein Meisterwerk L'Intuition créatrice einfließen sollte.

"Was mich an diesem Menschen so beeindruckt, ist eine Freiheit im Ungang mit der Wirklichkeit und eine unmittelbare Wahrnehmung der Dinge, welche durch nichts zu ersetzen ist. Er zeigt mir die ersten Grobentwürfe, und man kann nicht anders als sie zu bewundern. Je größer ein Künstler ist, je mehr er auswählt, desto mehr lässt er beiseite. [...] Rouault folgte halb bewusst seinem inneren Instinkt. Und ohne es zu wissen, machte er mir als jungem Philosophen allein durch seine Person auf alle großen Probleme und Anforderungen aufmerksam, die die Kunst betreffen. Dieser Künstler war selbst durchdrungen von den Anforderungen des Absoluten und von einem Glauben wie ihn die Erbauer der Kathedralen hatten."

Wie bei allen "großen Freundschaften" waren auch die von Maritain in den meisten Fällen ein beständiges Geben und Nehmen, ein lebendiger und tiefer Austausch. Ein schönes Zeugnis dafür ist die fast ein halbes Jahrhundert währende Freundschaft zwischen Maritain und dem 18 Jahre jüngeren Julien Green. So schreibt Julien Green über ihn:

"Lassen Sie mich wenigstens sagen, dass ich Gott durch Sie bewundere. Schließlich öffnen Sie uns die großen Wege zu Ihrer Seele, und dort sehe ich nichts anderes als Licht. Wenn ich Ihnen alles sagen sollte, was mich in ihrem Buch [Carnet de Notes] bewegt hat, würde ich Ihnen einen viel zu langen Brief schrieben müssen."

Und Maritain sagt von Green im Gegenzug:

"Ich habe stets den Eindruck, als ob wir uns viel zu sagen hätten. Und wie viel sagen wir uns auch im Schweigen und durch das Gebet!"

Auch Marc Chagall zu zählte Maritains unerschöpflichem Freundeskreis. Ihn lernten die Maritains Ende der dreißiger Jahre kennen. Er war wie sie während des Krieges in die USA emigriert. Unvergesslich blieb sein Auftritt bei der Silvesterparty im Jahr 1943, zu der Maritain eingeladen hatte. Exakt um Mitternacht öffneten sich die Aufzugstüren und ein kleiner grauhaariger Mann tauchte auf. Mit freudestrahlendem Gesicht und funkelnden Augen hielt er Raïssa ein riesiges Blumenbouquet entgegen. Doch der Clou sollte erst noch kommen. Maritain erinnert sich:

"Wie wir später feststellen durften, hatte ihm dieser Strauß als Vorlage für sein neuestes Bild gedient. Bis hin zu den Blütenblättern waren die roten Rosen identisch mit denen, die er gerade gemalt hatte. Darum seine Verspätung, darum auch seine schelmische Freude."

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Jacques Maritain und seine Kontakte nach Deutschland

Auch mit Deutschland verbindet Jacques Maritain eine große Freundschaft. Nach seinem Philosophiestudium erhielt er 1906 ein Biologiestipendium, das ihn, seine Frau und Véra für vier Semester nach Heidelberg führte. Ihre damalige Wohnung in der Blumenstraße 24 existiert noch heute und wird in diesen Monaten mit einer eigenen Gedenktafel bedacht.

Zu Maritains Freundeskreis gehörte auch Edith Stein. Zu ihrer ersten und einzigen Begegnung im Haus der Maritains kam es am 14.9.1932. Den Maritains war dieses Treffen unvergesslich geblieben.

"Raïssa und ich haben niemals diesen Besuch vergessen, weder das Feuer noch die geistige Klarheit und Schärfe, welche vom Antlitz Edith Steins ausgingen. Wir hatten sie sofort in unsere Herzen geschlossen. Und gut 12 Jahre später, als die Welt von dem Massaker der Juden durch die Knechte des Teufels erfuhr, empfanden wir die Nachricht ihres Todes - ihres Martyriums - wie einen persönlichen Trauerfall. Möge sie uns alle segnen."

Balduin Schwarz eröffnete 1935 die Reihe "Christliches Denken" mit Maritains Werk Von der christlichen Philosophie und bedachte es mit einem großen Vorwort. In dem ausgestellten Brief vom April 1936 teilt Edith Stein mit, dass sie ebenfalls für die Reihe "Christliches Denken" ihr Werk Endliches und ewiges Sein vorbereitet. "Dafür waren mir Ihre Gedanken natürlich sehr wichtig", schreibt sie, "und ich bin sehr froh, dass wir in der Grundauffassung doch übereinstimmen".

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Maritains Freundschaften zu Denkern

Ein lebenslanger Freund und treuer Begleiter in allen Lebenslagen sollte Charles Journet sein. Ihn lernten die Maritains bereits im Sommer 1922 in der Schweiz kennen und schätzen. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Journet ihm geschrieben:

"Schon seit langer Zeit liebe ich Ihre Schriften. Dies liegt an der Liebe zur Wahrheit, die mir darin begegnet, wie auch an dieser übernatürlichen Weisheit, von der Sie so trefflich reden."

Raïssas Schwester Véra, die gute Seele des maritainschen Haushaltes, skizzierte Journet mit folgenden Worten:

"Er hat die zarten Züge eines Lammes mit blauen Augen, das Äußere eines sanften Asketen, ein liebenswürdiges und wohlwollendes Lächeln, eine tiefe und ruhige Stimme. Ihm ist nicht nur eine kontemplative Seele, sondern auch der über jeden Verdacht erhobene Eifer eines Gottesstreiters gegeben. Er ist ein Freund der Armen und der Künstler, von untrüglichem pädagogischem Instinkt, Hirte im eigentlichen Sinn des Wortes."

In den dreißiger Jahren kommt es zu den für damalige Verhältnisse bereits sehr fortschrittlichen interkonfessionellen Gesprächen zur Fragen der Mystik. An diesen, wie Raïssa sie nannte, "esoterischen Versammlungen" nahmen Vertreter aller Konfessionen wie auch religiös Suchende teil. Unter letzteren war Nicolas Berdiaev, ein erklärter Freidenker, der in seiner Autobiographie schreibt:

"Es lag mir sehr daran, Maritain kennen zu lernen. Vor allem seine äußere Erscheinung gefiel mir. Er hatte ein sehr sanftes Wesen, das in gewissem Gegensatz stand zu seiner recht harten Art, von den Feinden des Katholizismus und des Thomismus zu sprechen. Bald wurden wir gute Freunde. Ich empfand ehrliche Zuneigung für ihn (was bei mir nicht oft vorkommt), und er wohl auch für mich. Er glich einem russischen Intellektuellen, und sein Haus unterschied sich von den anderen französischen Häusern deutlich. Zahlreiche Besucher gingen dort ständig ein und aus, und oft gab es dort völlig gegensätzliche Treffen. Freilich ist Maritain selbst kein großer Redner; er ist ein Schreiber, ein sehr guter sogar."

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Maritains internationale Auftritte

Auf Drängen von General Charles de Gaulle übernahm Maritain nach dem Zweiten Weltkrieg die ehrenvolle Aufgabe des Botschafters Frankreichs am Heiligen Stuhl in Rom. Fast drei Jahre lang wohnt er mit Raïssa und Véra im Palazzo Taverna. Wie sehr de Gaulle ihn schätzte, zeigt sein Brief vom 14.11.1966, in dem er Maritain für sein Spätwerk gratuliert. Er schreibt:

"'Der Bauer von der Garonne' ist eine Summa. Mehr als zuvor bewundere ich den Weitblick und die Tiefe Ihres Denkens, die Aussagekraft ihrer Gefühle, den Eifer ihres Glaubens. Dies um so mehr, als bei Ihnen Denken, Gefühle und Glaube von wunderbaren und beständig verfeinerten Wissenschaften und Erkenntnissen genährt werden. Und da ich deren Licht und die Wärme erfahre, danke ich Ihnen aus tiefstem Herzen. Seien Sie meiner besten Wünsche, welche die ehrlichsten auf der Welt sind, versichert, und nehmen Sie, mein verehrter Meister, dieses Zeichen meiner treuen Bewunderung und meiner ergebenen Freundschaft an."

C. de Gaulle

Kaum hatte Maritain seine Aufgabe als Botschafter Frankreich in Rom beendet, als ihm bereits eine andere wichtige Aufgabe angetragen wurde, nämlich die Leitung der französischen Delegation der UNESCO. Er ragte in Mexiko unter den 37 Delegierten nicht nur wegen seiner klaren Vorstellungen heraus, sondern auch wegen seiner beeindruckenden Persönlichkeit. Robert Seydoux erinnert sich an die Ausstrahlung von Maritains Persönlichkeit:

"Seine Aufrichtigkeit, seine Überzeugungskraft, seine Weitsicht und auch ein gewisses Charisma machten aus ihm eine der beherrschenden Persönlichkeiten der Konferenz. Auf seinen Namen hin kam es auch fast automatisch zu einem Konsens. Der Einfluss Maritains in Mexiko kam schließlich darin zum Ausdruck, dass sich 22 der 26 von ihm vorgeschlagenen Rechte in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wiederfanden, die die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 verabschiedeten."

Eine echte Anerkennung wurde Maritain am 8.12.1965 zuteil. Ihm fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, die Botschaft des Papstes an die Welt der Geisteswissenschaften stellvertretend in Empfang zu nehmen. Dabei ließ es sich Paul VI., sein langjähriger Freund, nicht nehmen, sich zu erheben; er wollte Maritain persönlich vor den Augen der Welt seine Anerkennung aussprechen, indem er sagte: "Die Kirche dankt Ihnen für ihr Lebenswerk." Als Paul VI. am 28. April 1973, dem Samstag der Osteroktav, die Botschaft vom Tod seines engen Freundes erhielt, konnte er seine Tränen nicht zurückhalten. Tief ergriffen widmete er tags darauf die Hälfte der Regina-Coeli-Ansprache dem Gedenken "an einen der großen Denker unserer Tage, an einen Meister in der Kunst des Denkens, Lebens und Betens", an einen echten Kosmopoliten des 20. Jahrhunderts. Der chilenische Präsidenten Eduardo Frei gratulierte Maritain zu seinem Buch Le Paysan de la Garonne mit den Worten:

Lieber Freund!

Ich habe das Buch erhalten, das mir ein leitender Paysan, der mit Jacques Maritain unterschreibt, freundlicherweise zueignet. Sie glauben nicht, wie sehr ich Ihnen für diese Erinnerung dankbar bin. Ich hatte schon die Gelegenheit, es zu lesen, weil - gleich nach der Veröffentlichung der ersten Exemplare - alle Freunde, die mich lieben, es für das beste Geschenk hielten, das sie mir machen könnten, mir das Buch zu schicken.Vor einiger Zeit haben sich mehrere Minister bei mir zu Hause eingefunden, und ich habe fast eine Stunde damit verbracht, ihnen einige Paragraphen aus dem Buch laut vorzulesen. Ihr Buch ist wie das Schmuckstück eines ganzen Lebens; es steckt in ihm eine Schlichtheit, die Erfahrung und Wissen zusammenfaßt und wie eine Quelle sprudelt, mit Humor und Freude, vergleichbar einer vollen Vase, die überschwappt.

Aber dieser Brief hat ein wichtigeres Ziel, als die Tatsache, Ihnen zu danken, und das ist, Sie zu bitten, als unser Gast nach Chile zu kommen, sei es offiziell oder privat, wie es Ihnen recht ist. Es wäre ein Ereignis in unserem Land, wenn Sie kommen würden, und Ihre Gegenwart würde sehr gut tun. Ich erwarte Ihre Antwort und den Termin, der Ihnen recht wäre.

Denken Sie an mich in Ihren Gebeten, und ich grüße Sie sehr herzlich, Ihr Freund

Eduardo Frei
Präsident der Republik Chile.

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