Maritains Leben





Kurzbiografie von Jacques Maritain

Benedikt Ritzler referiert über Jacques Maritain

Benedikt Ritzler referiert
über Jacques Maritain

Am 18.11.1882 wird Jacques in Paris als Sohn von Paul und Geneviève Maritain geboren.

Am 12.9.1883 kommt Raïssa Oumançoff in Rostov am Don zur Welt, am 2.7.1886 ihre Schwester Véra. Ihre Eltern ziehen 1893 nach Paris und geben dabei auch ihre jüdische Glaubenspraxis auf.

1900-1905 studiert Jacques Philosophie an der Sorbonne. Besonders prägt ihn Henri Bergson.

1902 verloben sich Jacques und Raïssa in aller Stille, am 26.11.1904 heiraten sie.

Am 11.6.1906 empfangen Jacques, Raïssa und Véra die Taufe. Léon Bloy übernimmt das Amt des Paten.

1906 im August zieht "die kleine Herde" nach Heidelberg, wo Jacques 4 Semester lang Biologie studiert. Im Sommer 1908 kehren sie nach Paris zurück.

1908-1912 verdient Maritain seinen Lebensunterhalt durch die Korrektur bzw. Aktualisierung verschiedener Lexika. Im September 1910 beginnt Jacques, Thomas von Aquin zu studieren, in dessen Denken er sich nach eigenen Worten "sofort verliebt".

1912 erhält Jacques eine Anstellung als Philosophieprofessor am Collège Stanislas in Paris, 1914 als Professor für moderne Philosophiegeschichte am Institut Catholique.

1914 erscheint Maritains erstes Buch La Philosophie bergsonienne, in dem er seinen früheren Lehrer Bergson stark kritisiert und sich vor allem am Denken des Thomas von Aquin orientiert.

1928 Besuch von Peter Wust und von Emmanuel Mounier, dem Wegbereiter des Personalismus.

Am 7.8.1928 Vortrag in Konstanz zum Thema "Der hl. Thomas und die Einheit der christlichen Kultur". Mit dem neuen Wintersemester tauscht Maritain seinen Lehrstuhl gegen den für Logik und Kosmologie ein.

Ab 1929 organisiert Maritain mit N. Berdiaev interkonfessionelle Treffen mit Katholiken, Protestanten, Orthodoxen wie auch bekennenden Atheisten.

Im August 1931 hält Jacques sechs Vorträge bei den Salzburger Hochschulwochen, im November vier Vorträge an der Mailänder Universität Sacro Cuore.

1932 Veröffentlichung von Les Degrés du savoir. Im September erhalten die Maritains in Meudon Besuch von Edith Stein.

1933 hält Jacques erste Gastvorlesungen in Toronto und Chicago.

1934 Vorträge am Angelicum in Rom, an der spanischen Universität Santander sowie erneut in Kanada und den USA.

1935 hält Jacques Vorträge und Konferenzen in Portugal.

1936 veröffentlicht Maritain Humanisme intégral. Im spanischen Bürgerkrieg prangert er mit deutlichen Worten die Ungerechtigkeiten an, so dass er als Sozialist bzw. als marxistischer Christ angegriffen wird. Im Herbst hält er 39 Vorträge und Konferenzen in Argentinien und Brasilien.

1938 hält Jacques einen aufsehenerregenden Vortrag vor den Botschaftern in Paris. Am 20. März unterzeichnet er mit 12 anderen Vertretern aus Politik und Kultur das Manifest "Angesichts der Bedrohung" (Devant la menace). Darin wird deutlich gegen den zwei Tage zuvor erfolgten "Anschluss" Österreichs an Deutschland protestiert und eine entschiedene, aber friedliche Reaktion verlangt. Im Oktober reist Jacques mit Raïssa und Véra wieder in die USA. Dort hält er erstmals Vorträge an der Universität Notre Dame in New York, seiner späteren Wirkungsstätte. Im Mai 1939 hält Jacques Vorträge in Oxford.

Im Januar und Februar 1940 hält sich die kleine Herde wegen Gastvorträgen wieder in Toronto auf. Sie entscheiden sie sich dafür, in New York zu bleiben. Jacques verfasst während des Krieges eine Reihe von Artikeln und kommentiert das Kriegsgeschehen mit mehr als 100 Radioansprachen als katholischer Laie und Philosoph. Viele dieser Kommentare werden heimlich in Frankreich und Polen vervielfältigt und aus dem Flugzeug abgeworfen.

Im Mai 1942 veröffentlicht Jacques sein Werk Les Droits de l'homme et la loi naturelle, eine wichtige Grundlage für seine Mithilfe bei der Formulierung der Menschenrechtserklärung 1948.

1943 ehrt die Zeitschrift The Thomist J. Maritain mit einer Sonderausgabe anlässlich seines 60. Geburtstags.

1944 gibt Jacques Principes d'une politique humaniste sowie De Bergson à Thomas d'Aquin heraus. Während seines Aufenthaltes in den USA schlägt Charles de Gaulle Maritain am 10. Juli vor, Botschafter Frankreichs am Heiligen Stuhl in Rom zu werden. Maritains Widerstand wird nicht akzeptiert.

Am 1. April 1945 reisen Jacques, Raïssa und Véra nach Rom ab. Es kommt zu einer engen Beziehung mit Msgr. Montini, dem künftigen Papst Paul VI., der schon 1925 das Frühwerk Trois Réformateurs ins Italienische übersetzt hatte.

1946 unternimmt Jacques verschiedene Vortragsreisen in die USA und nach Südamerika, v. a. nach Argentinien und Brasilien.

Vom 6.11.-3.12.1947 nimmt Maritain als Leiter der französischen Delegation an der Generalversammlung der UNESCO in Mexiko teil. Er hält eine vielbeachtete Eröffnungsansprache und wirkt mit bei der Formulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Von seinen vorgeschlagenen 26 Artikeln werden immerhin 22 übernommen.

1948 gibt Maritain sein Amt als Botschafter auf und übernimmt einen Lehrstuhl für Moralphilosophie in Princeton. Die Herbstausgabe von La Revue Thomiste widmet ihm und seinem philosophischen Werk eine Doppelausgabe.

1951 erfolgt die Veröffentlichung von Man and State. In Frankreich erscheint Neuf leçons sur les notions premières de la philosophie morale.

1953 erscheint in den USA Creative Intuition in Art and Poetry, in Frankreich Approches de Dieu. Im März

1954 erleidet Maritain einen Herzinfarkt. Raïssa veröffentlicht Poèmes et essais, und Jacques redigiert seine Aufzeichnungen und Memoiren Carnet de notes.

Am 10.12.1956 wird Maritain öffentlich in Paris vom Centre Catholique des Intellectuels Français geehrt. Bei Véra wird Krebs diagnostiziert.

1959 veröffentlichen Jacques und Raïssa ihr letztes gemeinsames Werk Liturgie et Contemplation. Am 31.12. stirbt Véra.

1960 erscheint Le philosophe dans la cité sowie La Philosophie morale. Am 7. Juli kehren Jacques und Raïssa nach Paris zurück. Sie wird immer schwächer und stirbt am 4. November.

1961 kehrt Jacques nochmals im Januar und im Herbst in die USA zurück. Ab März hingegen lässt er sich bei den Petits Frères de Jésus in Toulouse nieder. Im Juni verleiht ihm die Académie Française den großen Literaturpreis.

1962 gibt Maritain privat das Journal de Raïssa heraus. Am 4.5. wird in Kolbsheim der Cercle d'Études J. et R. Maritain gegründet.

Im Juni 1963 stirbt Johannes XXIII., und Maritains alter Freund wird als Paul VI. Nachfolger Petri. Im September erscheint Dieu et la permission du mal. Im November erhält Maritain den Grand Prix National des Lettres.

1965 empfängt Charles Journet, Maritains engster Freund, den Kardinalshut. Im September wird Maritain selbst von Paul VI in Castel Gandolfo empfangen, und am 8.12. überreicht ihm der Papst beim offiziellen Abschlussgottesdienst des Konzils die Note für die Intellektuellen.

Am 21.4.1966 hält Maritain vor der UNESCO einen Vortrag über Les conditions spirituelles du progrès et de la paix. Am 3.11. erscheint Le Paysan de la Garonne.

1967 wird De la grâce et de l'humanité de Jésus veröffentlicht.

Im Herbst 1970 gibt Maritain De l'Église du Christ heraus, und am 15. Oktober tritt er offiziell in das Noviziat der Petits Frères ein. Am 1.11.1971 legt er seine ewigen Gelübde ab.

Im Sommer 1972 fasst Frère Jacques den Entschluss, die wichtigsten Werke seiner Frau und von sich herauszugeben.

Am 28.4.1973 stirbt Maritain in Toulouse und wird am 2.5. in Kolbsheim neben seiner Frau bestattet. Im September erscheint das von ihm vorbereitete Werk Approches sans entraves.

1982-1999 werden die Gesamtwerke der Maritains in den 16 Bänden der Œuvres complètes de Jacques et Raïssa Maritain herausgegeben.

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